Ostwind. An Energie gewinnen.

fileReference.alternative}

„Wir sichern langfristig den Bestand der Wälder“

Foto: Pressestelle des Landesbetriebs Wald und Holz Nordrhein-Westfalen.

27.07.2016

Andreas Wiebe, Leiter des „Landesbetriebs Wald und Holz NRW“, im Interview.

Der Landesbetrieb Wald und Holz ist einer der größten Waldbesitzer in Nordrhein-Westfalen. Andreas Wiebe erklärt, wer Windenergieanlagen in Wäldern plant, warum der Standort „Windfart“ im Sauerland besonders geeignet ist und wie die AnwohnerInnen beteiligt werden.

Herr Wiebe, warum stellt „Wald und Holz NRW“, die Forstverwaltung des Landes Nordrhein-Westfalen, Flächen für die Windkraft zur Verfügung?

Als Forstleute sind wir seit 300 Jahren für die Nachhaltigkeit unterwegs. Wir suchen immer den Ausgleich zwischen wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Anforderungen, heute und in der Zukunft. Darum haben wir die Verantwortung, die Energiewende zu unterstützen. In dem Thema liegen wir in Nordrhein-Westfalen weit zurück. Bis 2020 wollen wir den Anteil der Windenergie an der Stromerzeugung auf mindestens 15 Prozent ausbauen. Davon sind wir noch weit entfernt. Darum leisten wir auch auf unseren Waldflächen einen Beitrag mit Augenmaß.

Warum geht die Windkraft in NRW überhaupt in die Wälder?

Die windstärksten Standorte sind oft die Kuppen von Regionen wie dem Sauerland. Und die sind fast durchgehend bewaldet. Wenn man möglichst viel Windstrom erzeugen will, kommt man nicht darum  herum, diese Stellen zu nutzen. Dass das überhaupt möglich ist, liegt an der technischen Entwicklung der Windräder in den letzten Jahren. Für uns und andere Waldbesitzer sind dadurch auch neue Ertragsmöglichkeiten entstanden. Wir nutzen nicht nur das Holz, sondern auch Erneuerbare Energien.

Das Land verdient also durch die Windparks?

Wenn unsere Wälder rentabel sind, sichert das langfristig auch den Bestand der Wälder. Das bringt den Naturschutz voran, schafft Möglichkeiten zur Erholung für alle und die Wälder sorgen weiter für gute Luft und sauberes Wasser. Diese Funktionen des Waldes lassen sich mit der Bewirtschaftung und auch mit erneuerbaren Energien sehr gut verbinden.  

Welche Vorteile hat die Windkraft im Wald?

Die Waldstandorte sind sehr attraktiv, weil es die windstärksten Standorte sind. Und die Windräder arbeiten mehrere Stockwerke über dem Baumkronendach, die untere Spitze eines Rotorblattes bleibt immer noch 30 oder 40 Meter vom höchsten Ast entfernt. Dadurch stören sie das Leben im Wald kaum. Gleichzeitig sind Anlagen im Wald meist auch weit von der nächsten Siedlung entfernt. Aber es stimmt: „Wind im Wald“ ist für viele Leute ein relativ junges Phänomen. Aber die Vorteile sind kaum zu bestreiten.

Wie viele Flächen bieten Sie den WindplanerInnen an?

Das hält sich in einem ganz, ganz engem Rahmen. Wir haben in NRW sehr wenig Staatswald, er macht nur 10 % der gesamten Waldfläche aus. Darin haben wir 25 Potenzialflächen identifiziert. Wir wollen in den kommenden drei bis fünf Jahren lediglich ein Tausendstel unserer Waldflächen nutzen. Darauf sollen etwa 80 Windenergieanlagen entstehen.

Warum nicht mehr? Andere Länder stellen 1 bis 2 % der Landesfläche für die Windkraft bereit.

Wir nähern uns der Windkraft mit sehr viel Augenmaß und nehmen insbesondere den Naturschutz außerordentlich ernst. Erst wenn wir eines Tages alle heute geplanten Projekte realisiert haben, dann schauen wir weiter.

Für einen Windpark müssen auch Bäume gefällt werden. Geht hier wertvolle Natur verloren?

Wir nehmen natürlich Wald in Anspruch. Aber als Kompensation wird genauso viel neuer Wald geschaffen. Das ist bei allen Projekten in Wäldern so. Und die Flächen sind bei Windrädern sehr klein, denn es müssen lediglich die Flächen gerodet werden, auf denen der Turm und der Baukran stehen.

Wird für jeden gefällten Baum ein neuer gepflanzt?

Der Maßstab ist die Waldfläche, die genau ausgeglichen wird. Da werden dann für einen großen gefällten Baum sehr viele kleine Bäume gepflanzt. Von denen bleibt dann langfristig wieder ein großer Baum übrig. Neben dem Flächenausgleich darf man den so genannten funktionalen Ausgleich nicht vergessen.

Was ist das?

Direkt am Windpark oder in der Nähe wird der Wald ökologisch aufgewertet. Oft werden dazu in reine Fichtenbestände  Laubbäumen gepflanzt. Denn unser Ziel ist es, unsere Wälder  langfristig zu ökologisch wertvollen und klimastabilen Mischwäldern umzubauen. Dabei helfen dann auch die finanziellen Mittel aus unserem Engagement für die Windenergie.

Was waren die Kriterien, nach denen der Standort „Windfart“ ausgesucht wurde?

Wir nehmen nur Flächen, die außerhalb von Naturschutzgebieten und außerhalb von besonders geschützten oder hochwertigen Waldgebieten liegen. Meist sind es Standorte mit reinen Fichtenbeständen. Außerdem muss der Abstand zu Siedlungen groß sein und natürlich muss genügend Wind wehen. Konkret am Standort Windfart stehen vor allem Fichten und Kiefern, die nächste Siedlung Kirchhundem ist nach den Kriterien des Landes weit genug entfernt und die Windverhältnisse sind nach den Windkarten des Landes hervorragend.

Wem gehört der Wald, in dem die Windräder stehen sollen?

Das ist unterschiedlich. Generell kommen neben unserem Staatswald zum Beispiel auch kommunle Wälder oder Privatwälder als Standorte in Frage. Beim Windpark Windfart gibt es auch mehrere WaldeigentümerInnen, aber hier ist der größte Teil der Fläche im Besitz von Wald und Holz NRW.

Wie profitiert das Land NRW von so einem Windpark?

Wir sind ein Unternehmen im Besitz des Landes NRW und unsere Überschüsse fließen in den Landeshaushalt. Was wir überweisen, muss das Land nicht an Steuern einnehmen oder kann es für die Aufgaben des Staates nutzen. Und in unserem Betrieb tun wir sehr viel für die Umwelt, wir haben fünf Jugendwaldheime, in denen wir jedes Jahr viele tausend Kinder eine Woche lang mit dem Wald vertraut machen und ihnen wunderschöne Gemeinschaftserlebnisse bieten. Wir führen viele Naturschutzmaßnahmen im Landeswald durch und setzten uns für den Klimaschutz ein. Unser Auftrag ist es nicht in erster Linie Geld zu verdienen, sondern dem Gemeinwohl und den BürgerInnen zu dienen.

Was haben die Menschen in den umliegenden Gemeinden davon?

Unabhängig davon, dass die Waldbesitzer und wir Pachteinnahmen erzielen, gibt es in den Kommunen Steuereinnahmen und es entstehen Arbeitsplätze. Diese Mittel können für die Aufgaben der Gemeinde und die Bürgerinnen und Bürger eingesetzt werden. Das ist ein großer Vorteil der Erneuerbaren: Bisher landet unser Geld für Strom in den Konzernzentralen der großen Unternehmen. In Zukunft bleibt es im ländlichen Raum.

Welche Chancen zur BürgerInnenbeteiligung gibt es?

Bei allen Windparks, die auf unseren Flächen entstehen, verpflichten wir die künftigen BetreiberInnen, 10 % der Anteile an den Parks den Menschen in der Region als Beteiligungsmöglichkeit anzubieten. So können diejenigen, die die Windparks sehen, auch direkt wirtschaftlich von ihnen profitieren. Wir wissen, wie wichtig das für die Akzeptanz vor Ort ist.

Wie soll der Windpark „Windfart“ konkret aussehen?

Noch sind die Kommunen dabei, ihre Flächennutzungspläne aufzustellen. Und im Genehmigungsverfahren wird sich dann zeigen, was genau gebaut werden kann und darf. Insgesamt sollen elf Anlagen realisiert werden.

Wie wird sich das auf das Landschaftsbild auswirken?

Anders als bei Windenergieanlagen im Offenland, kann man die Anlagen durch die Baumkronen nicht sehen, wenn man im Wald unterwegs ist. Von bestimmten Stellen in der Ferne oder vom Aussichtspunkt Hohe Bracht werden die Anlagen natürlich zu sehen sein. Für mich ist die Frage, ob sie dabei das Landschaftsbild stören, eine sehr individuelle Empfindung. Ich persönlich bin von den dezentralen, erneuerbaren Energien überzeugt und freue mich eher, wenn ich solche Windräder in der Landschaft entdecke. Aber diese Fragen werden im Genehmigungsverfahren behandelt. Und die zuständigen Behörden – also nicht wir – werden sich sehr intensiv damit beschäftigen. Ich bin gespannt, was dabei herauskommt.

Was werden die TouristInnen sagen?

Da kann man Entwarnung geben. Ich kenne keine Studie die sagt, dass die Windenergie auf den Tourismus eine negative Wirkung hat. Beispiel Norddeutschland: Da geht auch beides wunderbar zusammen.

Welche Möglichkeiten zur Mitgestaltung wird es in der Planung geben?

Auch das ist Teil des Genehmigungsverfahrens. Da kann jeder Bürger / jede Bürgerin Anregungen geben und Einwendungen erheben. Das nehmen die Genehmigungsbehörden sehr ernst. Außerdem verpflichten sich die Unternehmen, denen wir die Flächen verpachten, zu einem hohen Maß an Transparenz und frühzeitiger Information.

Wie ist der Zeitplan?

Wenn ich das so genau wüsste! Wir versuchen, zügig voran zu kommen. Aber Sorgfalt geht vor Geschwindigkeit. Wir rechnen damit, dass die Anlagen sich frühestens 2018, vielleicht oder 2019 drehen. 

mehr zum Projekt "Windfart" erfahren

zurück