Ostwind. An Energie gewinnen.

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"Wir haben die 1.000 MW geknackt!"

Stefan Bachmaier, Geschäftsführer der OSTWIND Erneuerbare Energien GmbH

Philip Milek, Unternehmensleiter und Prokurist der OSTWIND Erneuerbare Energien GmbH

Dietmar Hanser, Geschäftsführer der OSTWIND management GmbH

10.12.2019

Rückblick auf ein widersprüchliches Windjahr 2019

Im Gespräch mit der OSTWIND-Unternehmensleitung: Stefan Bachmaier, Philip Milek und Dietmar Hanser

> Der Klimawandel hat 2019 die Schlagzeilen beherrscht. Überwiegen die Hoffnungen angesichts einer Fridays-for-Future-Bewegung oder die Sorgen angesichts eines weltweit wahrnehmbaren Klimanotstands?

STEFAN BACHMAIER: Es ist unglaublich, was die Jugendlichen im Zeichen von Fridays for Future in so kurzer Zeit bewegt haben. Dennoch überwiegt bei mir die Sorge über das Ausmaß der Klimaveränderungen. Wir haben zu lange zugeschaut, statt zu handeln.

PHILIP MILEK: Ich schwanke zwischen Hoffnung und Resignation. Einerseits macht Fridays for Future vielen und vor allem jungen Menschen im Kampf gegen die Klimakatastrophe Mut, andererseits stoßen sie auf eine Wand verharrender Kräfte, die die Aufbrauchstimmung schnell wieder zunichte machen können.

DIETMAR HANSER: Fridays for Future zeigt mir, dass die Gesellschaft schon weiter ist als die Politik. Viele Jugendliche verlangen Veränderung und möchten auch selbst anders leben. Das finde ich cool.

> Die Bundesregierung hat neue Klimaziele für 2030 ausgerufen, nachdem sie die für 2020 nicht erreicht hat. Fachleute rechnen vor, dass Deutschland auch mit dem jetzigen Klimapaket an den eigenen Vorgaben scheitert. Sie vertreten ein mittelständisches Erneuerbare-Energien-Unternehmen. Wie groß ist Ihr Vertrauen in eine solche Politik?

STEFAN BACHMAIER: Diese Art von Politik schafft jedenfalls keine Planungssicherheit. Wer aber nicht planen kann, wird auch nicht investieren und keine Arbeitsplätze schaffen. Die Windbranche ist davon ganz besonders betroffen: Seit 2016 sind es 40.000 Stellen, die hier verloren gingen – zuletzt 3.000 bei Enercon, dem größten deutschen Hersteller von Windanlagen und einem Aushängeschild unserer Ingenieurskunst.

PHILIP MILEK: Was wir brauchen, sind verlässliche Rahmenbedingungen. Sonst erleben wir bei der Windenergie eine Know-how-Abwanderung, wie es sie im Solarbereich schon gab. Deutschland riskiert gerade ein weiteres Mal seine Vorreiterrolle im Bereich der Erneuerbaren Energien. Vielleicht werden wir bald auch unsere Windräder aus China importieren müssen.

"Windenergie ist wichtigste Stromquelle."


> Der Beitrag der Windkraft zur Stromversorgung in Deutschland war noch nie so hoch wie jetzt und übertrifft die Kohle wie auch die Atomkraft. Trauen Sie der Windenergie in Deutschland noch mehr zu?

STEFAN BACHMAIER: Unsere Vision bei OSTWIND war schon immer, dass Wind, aber auch Sonne die tragenden Säulen der Energieversorgung von morgen bilden. Wenn in den nächsten Jahren Kohle und Atom als Energieträger wegfallen, wenn der Strombedarf für Wärme und Mobilität wächst, werden die Erneuerbaren noch mehr denn je gebraucht.

> Welche technischen Entwicklungen haben wir hier von der Windkraft in nächster Zeit zu erwarten?

PHILIP MILEK: Interessant erscheint mir die künftige Kombination von Wind- und Solarenergie, von dezentralen, regionalen Kombikraftwerken aus Wind- und Solarenergie mit Speichertechnik und grünem Wasserstoff. Die Verzahnung all dieser Technologien, die aus klimafreundlichen Energiequellen gespeist werden, führt am Ende zu einer Verstetigung des volatil erzeugten Stroms aus Wind und Sonne.

DIETMAR HANSER: Übrigens tragen wir selbst auch ganz konkret in unserer täglichen Arbeit zu einer zuverlässigen Stromzufuhr aus Wind bei, zum Beispiel durch unsere Betriebsführung: Die permanente Überwachung und Optimierung der Performance unserer Windparks steigert deren Effizienz und Verfügbarkeit enorm.

> Nicht nur in Bayern, dem Hauptsitz der OSTWIND-Gruppe, sondern in ganz Deutschland ist der Ausbau der Windkraft im Jahr 2019 fast zum Erliegen gekommen. Worauf führen Sie das zurück?

STEFAN BACHMAIER: In Bayern eindeutig auf die 10H-Abstandsregelung, für die es keinerlei fachliche Begründung gibt. Aber es fehlt in ganz Deutschland an Flächen und Genehmigungen für neue Windprojekte. Es mangelt an Planungsregularien, die verlässlich sind, und an Genehmigungsverfahren, die Maß und Ziel haben. Statt dem 2-Prozent-Flächenziel näher zu kommen, schränken uns pauschale Abstandsregeln weiter ein. Und hinter immer mehr Naturschutzklagen von vermeintlichen Umweltverbänden stecken in Wirklichkeit leider notorische Energiewende-Verweigerer.

PHILIP MILEK: Im Moment wird zu viel Verantwortung für die Energiewende auf die Gemeinden und Genehmigungsbehörden vor Ort abgewälzt. Die BürgermeisterInnen fühlen sich zu Recht von Bundes- und Landesregierung allein gelassen und überfordert. Für den Ausbau der Erneuerbaren vor Ort müssen sie in Bayern beispielsweise gegen die 10H-Regel der eigenen Staatsregierung agieren – das kann nicht funktionieren.

"Die Wirtschaft will Windkraft."


> Sehen Sie die Gefahr einer Stromlücke, wenn der Zubau an neuen Windenergieanlagen weiterhin stockt und immer mehr alte aus der EEG-Förderung fallen?

STEFAN BACHMAIER: Ja, unter den jetzigen Vorzeichen und nach den Erfahrungen der letzten beiden Jahre droht nicht nur eine Stagnation, sondern sogar der Abbau von vorhandenen Windstromkapazitäten. Vermeidbare und teure Stromimporte wären die Konsequenz. Statt einer 1000m-Abstandsregelung brauchen wir also wieder einen verlässlichen Ausbaupfad für die Windenergie an Land mit etwa 5 Gigawatt realisierter Leistung pro Jahr.

DIETMAR HANSER: Wir bemühen uns auch mit den Möglichkeiten der Betriebsführung dabei zu helfen, dass die Altanlagen, die nach 20 Jahren Laufzeit aus der EEG-Förderung fallen, möglichst lange noch sauberen Öko-Strom liefern können – falls es keine Möglichkeit des Repowerings gibt.

> Eine zentrale Rolle für die Energiewende spielen die Bundesländer. In mehreren ostdeutschen Ländern gab es Landtagswahlen – mit welchen Konsequenzen?

PHILIP MILEK: Wir setzen auf positive Impulse in unseren wichtigen Zielregionen Brandenburg, Niedersachsen, Saarland oder auch Hessen. Und wir sind gespannt, ob die Erneuerbaren Energien in Thüringen und Sachsen nach den Landtagswahlen wieder in Schwung kommen. Besonders aufmerksam verfolgen wir natürlich die Situation in Bayern. Ministerpräsident Söder (CSU) hat hier 100 neue Windenergieanlagen im Staatswald angekündigt und Wirtschaftsminister Aiwanger (FW) will über das ganze Land hinweg sogar 300 neue Anlagen innerhalb der nächsten zwei Jahre initiieren.

> Was halten Sie von der jetzt diskutierten finanziellen Beteiligung der Kommunen an den Ertragserlösen aus Windenergie – zum Beispiel mit Hilfe einer Grundsteuer?

STEFAN BACHMAIER: Für die Akzeptanz der Energiewende spielen die Standortkommunen eine wichtige Rolle. Deshalb begrüßen wir Überlegungen, dass sie – und damit alle Bürgerinnen und Bürger ­ – von den Windparks profitieren. Wir halten aber Lösungen für sinnvoller, die praxisnah und unkompliziert umsetzbar sind.

"Darauf können wir stolz sein."


> In den letzten Wochen haben sich vermehrt große Unternehmen und wichtige Wirtschaftsverbände für einen Ausbau der Windenergie an Land ausgesprochen. Worauf führen Sie diesen bislang so nicht gekannten Zuspruch zurück – und was kann er bewirken?

DIETMAR HANSER: Wir gewinnen damit ganz neue FürsprecherInnen, die wir bisher nicht auf unserer Seite hatten. Das sehe ich als großen Fortschritt. Die Unternehmen wollen für den Wirtschaftsstandort Deutschland Versorgungssicherheit, Netzstabilität, heimische Wertschöpfung sowie bezahlbare Strompreise – ohne die Windenergie an Land ist all das nicht zu haben. Hier denkt die Wirtschaft im Gegensatz zur Politik weiter als nur eine Wahlperiode lang.

> Wenn Sie an den Jahresbeginn 2019 zurückdenken: Welche Ihrer damaligen Zielsetzungen und Erwartungen haben sich für OSTWIND erfüllt? Inwiefern wurden Sie positiv überrascht?

STEFAN BACHMAIER: Im Rückblick auf 2019 sehe ich es als besonderen Erfolg, dass wir trotz eines massiven Stellenabbaus in der Windbranche unseren eigenen Personalstamm zahlenmäßig halten konnten – nicht zuletzt dank der von uns frühzeitig eingeleiteten Umstrukturierungen, die aufgrund der äußerst schwierigen Marktsituation und politischen Entwicklungen nötig wurden.

PHILIP MILEK: Und wir haben in diesem Jahr – gemeinsam mit unserer französischen Tochter OSTWIND International – die 1.000-MW-Marke überschritten. Darauf können wir stolz sein: 1.000 MW entsprechen der Leistung eines mittleren Atomkraftwerks! Nach wie vor agieren wir dabei eigenständig und unabhängig als mittelständisches Familienunternehmen – auch das ist im Windbereich nicht mehr selbstverständlich.

"Frankreich ist jetzt führend in Europa."


> Welche Entwicklung hat unsere französische Niederlassung im Vergleich zur deutschen 2019 genommen?

STEFAN BACHMAIER: Wir freuen uns sehr, dass sich unser Nachbarland Frankreich in diesem Jahr beim Ausbau der Windenergie in Europa an die Spitze gesetzt hat. OSTWIND international konnte dazu 2019 immerhin 16 Anlagen mit über 45 MW Leistung beisteuern und kommt nun auf insgesamt 325 MW am Netz, 98 MW im Bau und auf 98 genehmigte MW. Angesichts der schwierigen Lage auf dem deutschen Windmarkt beflügelt uns dieser Erfolg unserer französischen KollegInnen natürlich ungemein.

DIETMAR HANSER: Das gilt genauso für unsere Betriebsführung in Frankreich, die 2019 weitere 36 Windkraftanlagen unter ihre Fittiche genommen hat.

> Wo setzen Sie die Schwerpunkte für OSTWIND in Deutschland im kommenden Jahr?

PHILIP MILEK: Im kommenden Jahr wollen wir in den neu aufgebauten Geschäftsbereichen Photovoltaik und Repowering auch wirklich Fuß fassen. Zwei Repowering-Vorhaben haben wir schon erfolgreich auf den Weg gebracht. 2020 soll das erste Solarprojekt folgen. Darüber hinaus wollen wir uns auch der Speichertechnik und anderen Kombinationslösungen wie Power-to-X zuwenden. Spätestens in fünf Jahren werden wir den Strom aus erneuerbaren Energien zwar noch volatil erzeugen, aber konstant liefern!

DIETMAR HANSER: Aus Betriebsführungssicht ist die Bilanz durchweg positiv. Wir wachsen beständig und in einem gesunden Maß – 2019 um vier weitere Windparks mit 25 MW Leistung. Unsere BestandskundInnen geben uns das Feedback, dass sie die Qualität der Arbeit von OSTWIND management sehr schätzen. Das freut uns ganz besonders und darauf bauen wir im nächsten Jahr. Mehr und mehr rücken jetzt jene Anlagen in unser Visier, die demnächst nach 20 Jahren Laufzeit aus der EEG-Förderung fallen. Auch für diese braucht es tragfähige technische und wirtschaftliche Konzepte.

STEFAN BACHMAIER: Unser erstes Ziel und die größte Herausforderung für 2020 ist es, unter den derzeitigen Wettbewerbsverhältnissen und politischen Rahmenbedingungen erfolgreich zu sein. Windenergie ist und bleibt unser Schwerpunkt, weil eine Energiezukunft ohne Wind an Land für uns nicht vorstellbar ist.

> Unser Weihnachtsgruß 2019

> Unsere Weihnachtsspende 2019

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