Ostwind. An Energie gewinnen.

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Kurs gehalten – trotz Corona

Arbeits-Alltag 2020: OSTWIND-MitarbeiterInnen im Online-Meeting-Modus

Stefan Bachmaier, Geschäftsführer der OSTWIND Erneuerbare Energien GmbH

Philip Milek, Unternehmensleiter und Prokurist der OSTWIND Erneuerbare Energien GmbH

Dietmar Hanser, Geschäftsführer der OSTWIND management GmbH

21.12.2020

Erneuerbare Energien zwischen Klima- und Coronakrise – unser Rückblick auf das Jahr 2020

> Wie ist OSTWIND durch das Corona-Jahr gekommen? Wie als Arbeitgeberin? Und wie als Unternehmen der EE-Branche?

STEFAN BACHMAIER: Die große Herausforderung war sicherlich der erste harte Lockdown im Frühjahr, als wir ad hoc sämtliche Arbeitsplätze inklusive IT auf den Stand bringen mussten, um Homeoffice für alle zu ermöglichen. Das ist uns schnell und ohne großen Bruch gelungen.

Mein herzlicher Dank geht hier an unsere MitarbeiterInnen, die sich sehr flexibel auf die neue Situation eingestellt haben – und ganz besonders an jene mit Familie und Kindern, die sich noch dazu um eine Betreuung kümmern mussten.

DIETMAR HANSER: In der Betriebsführung haben wir getrennte Teams aufgestellt, um unsere Leistungen weiterhin zuverlässig erbringen zu können und gleichzeitig unsere MitarbeiterInnen zu schützen. Trotz Corona haben wir es so geschafft, unsere Dienstleistung ohne Unterbrechung aufrechterhalten – und sogar weiter zu wachsen!

PHILIP MILEK: Zugute kam uns in der Corona-Krise sicherlich, dass Projektentwicklung schon an sich ein langfristiges Geschäft ist, wo es Geduld braucht. Deshalb konnten wir mit den plötzlichen Veränderungen besser umgehen als Unternehmen aus anderen Wirtschaftszweigen.

Dennoch mussten auch wir feststellen, dass die Mühlen der Genehmigung für neue Wind- oder Solarparks natürlich viel langsamer mahlen, je länger die zuständigen Gemeindegremien nicht zusammenkommen.

Gestärkt aus der Krise kommen


STEFAN BACHMAIER: Aus der Krise haben wir aber auch gelernt. Zum Beispiel, dass Kommunikation online funktioniert und vielleicht nicht jede Reise nötig ist. Videokonferenzen ersetzen zwar nicht den persönlichen Kontakt, machen aber dennoch einen vertrauensvollen Austausch mit unseren GesprächspartnerInnen möglich.

 > Geht Corona auch zu Lasten des Klimaschutzes?

 DIETMAR HANSER: Nicht, wenn es uns gelingt, positive Erkenntnisse aus dieser Zeit zu bewahren – also die Rückbesinnung darauf, was wir wirklich brauchen. Dem Klima kommt sicher sehr zugute, wenn überflüssige Flugreisen wegfallen und Mobilität reduziert wird.

STEFAN BACHMAIER: Und im Gegenteil, viele InvestorInnen haben die regenerativen  Energien sogar wieder neu entdeckt, weil sich gezeigt hat, dass auf Sonne, Wind und Wasser auch in einer großen Krise wie dieser Verlass ist.

> Wenn Ihr an den Jahresanfang zurückdenkt: Was ist von den damaligen Plänen für 2020 geblieben?

STEFAN BACHMAIER: Uns war wichtig, dass wir gestärkt aus dem Tief der letzten Jahre herausgehen – ein Tief, das die ganze Windbranche betraf. Wir haben die Zeit genutzt, um konzentriert an den erfolgversprechenden Projekten in unserer Pipeline zu arbeiten, aber auch um unsere Teams fortzuentwickeln und neue MitarbeiterInnen zu integrieren. Und wir sehen in den Ausschreibungen, aber ebenso bei uns, dass es für die Projekte langsam wieder neue Genehmigungen gibt.

PHILIP MILEK: Unsere Ziele für 2021 werden gegenüber 2020 nicht so anders sein – mit dem Unterschied, dass wir wieder mehr Vorhaben konkret umsetzen können. Darüber hinaus wollen wir über den Tellerrand hinausblicken: Welche neuen Geschäftsmodelle können wir für OSTWIND entwickeln, um uns rund um unser Kernthema der Erneuerbaren und der Projektentwicklung breiter aufzustellen?

Pipeline verstetigt, Perspektiven verbessert

> Zwei Ziele habt Ihr vor einem Jahr für 2020 genannt, um die es vor allem gehen sollte: Fuß fassen im Bereich Photovoltaik (PV) und Repowering. Ist das gelungen?

STEFAN BACHMAIER: Der Einstieg in diese beiden Geschäftsfelder ist uns, finde ich, ganz gut geglückt. Wir erwarten gerade die Genehmigung für ein weiteres Repowering-Projekt. Und im Bereich PV können wir nächstes Jahr richtig in die Projektrealisierung einsteigen.

PHILIP MILEK: Ich freue mich ganz besonders, dass wir im Solarbereich den Eintritt in den Markt geschafft und in den zurückliegenden Monaten viele aussichtsreiche Flächen sichern und Genehmigungsverfahren anstoßen konnten. Daran wollen wir 2021 anknüpfen und haben deshalb die Zahl der MitarbeiterInnen mit Schwerpunkt PV nochmals erhöht.

> Und wo konnte OSTWIND darüber hinaus punkten?

STEFAN BACHMAIER: Auch im Bereich Wind fällt unsere Bilanz für 2020 positiv aus: Wir haben uns hier eine stabile Pipeline erarbeitet und daraus auch Genehmigungen generiert. Darauf wollen wir im nächsten Jahr aufbauen und weitere Genehmigungsverfahren auf den Weg bringen.

PHILIP MILEK: Unsere Perspektiven sind besser als vor einem Jahr. Die Pipeline hat sich konkretisiert, unsere Planungen stehen auf festen Füßen. Die Talsohle ist also durchschritten ­– und das trotz Corona. Darauf können wir stolz sein.

DIETMAR HANSER: Das gilt auch für die Betriebsführung, wo wir im Corona-Jahr 2020 mit Hilfe sehr zufriedener BestandskundInnen sogar weitere 23 Windenergieanlagen mit 60 MW installierter Leistung unter unsere Fittiche nehmen. Ein gesundes Wachstum, das hat uns riesig freut.

> Im Vergleich dazu die Entwicklung in Frankreich?

STEFAN BACHMAIER: Dort konnte OSTWIND International den schon sehr positiven Kurs der letzten Jahre konsequent fortsetzen. 75 MW gingen 2020 ans Netz, für 90 MW beginnt 2021 der Bau – das sind enorme Zahlen, mit denen unsere französischen Kolleginnen hier aufwarten.

Noch keine wirkliche Wende für Windbranche


> Konnte die Windindustrie in Deutschland im vergangenen Jahr ebenfalls die Talsohle durchschreiten?

PHILIP MILEK: Zumindest sehen wir Licht am Ende des Tunnels, das zeigen die letzten Ausschreibungsergebnisse mit einer wieder zunehmenden Zahl an genehmigten Windprojekten. Aber die große Wende, wie sie eigentlich notwendig wäre, erkenne ich noch nicht.

Hoffnungsvoll stimmt in diesem Zusammenhang eher die wachsende Nachfrage aus Industrie und Wirtschaft nach CO2-freiem Strom aus erneuerbaren Energiequellen vor Ort. Insgesamt steigt das gesellschaftliche Bewusstsein für einen verbindlichen Klimaschutz und eine echte Energiewende – bloß die Politik hinkt hinterher!

STEFAN BACHMAIER: Gemessen an den CO2- und Klimazielen, die ja auf europäischer Ebene gerade nochmals angezogen wurden, ist Deutschland keinesfalls im Plan. Zentrales Problem für den Ausbau der Erneuerbaren und insbesondere der Windenergie ist und bleibt die Flächenknappheit. Daran ändern auch erhöhte Ausbaupfade im neuen EEG nichts.

> Ein wichtiges Akzeptanzthema wurde 2020 endlich gelöst. Mit der verpflichtend eingeführten Bedarfsgerechten Nachtkennzeichnung (BNK) soll das nächtliche Blinken vieler tausend Windenergieanlagen ein Ende finden. Wie meistert unsere Betriebsführung die damit verbundenen technischen und wirtschaftlichen Anforderungen in den von uns betreuten Windparks?

DIETMAR HANSER: Wir beschäftigen uns mit der BNK-Umrüstung, die ja alle Anlagen in ganz Deutschland betrifft, schon seit Mitte 2019. Die zwischenzeitlich erfolgte Fristverlängerung bis Ende 2022 hilft uns sehr, das Ganze besser auf die wirtschaftlichen Möglichkeiten des jeweiligen Windparks auszurichten.

> Das EEG 2021 hält weitere Herausforderungen für OSTWIND management bereit. Da geht es etwa um die Frage, wie wir mit der wachsenden Zahl von Ü20-Anlagen umgehen, also jenen Anlagen, die demnächst aus der EEG-Förderung fallen.

DIETMAR HANSER: Wir haben ja schon Altanlagen, die seit über 25 Jahre laufen, im Bestand und sind deshalb mit den technischen Anforderungen vertraut. Wegen der geringeren Vergütung nach Auslaufen der EEG-Förderung müssen wir allerdings immer auf Sicht fahren – eng abgestimmt mit den BetreiberInnengesellschaften. Denn jede Reparatur kann für so einen Windpark das wirtschaftliche Aus bedeuten.

Die jetzt im EEG 2021 vorgesehene Verlängerung der Vergütung für Windenergieanlagen, die Ende 2020 aus dem EEG fallen, beurteilen wir positiv. Denn grüneren Strom als den aus Altanlagen gibt es nicht – und jede Kilowattstunde ohne CO2 zählt!

EEG 2021 bringt Fortschritte, aber nicht den großen Wurf


> Das EEG 2021 nahm gerade die letzten parlamentarischen Hürden. Welche Fortschritte könnt Ihr darin erkennen, welche Nachteile ergeben sich daraus?

STEFAN BACHMAIER: Leider hat sich die Reform des EEG fast bis ans Ende der Legislaturperiode verzögert – und ist dennoch nicht der große Wurf. Noch immer wird darin viel zu kleinteilig gedacht und herumgedoktert, statt das gesamte System in den Blick zu nehmen. Noch immer werden Hürden aufgebaut, statt den Weg für die Energiewende frei zu machen.

PHILIP MILEK: Ein wichtiger Fortschritt ist in meinen Augen, dass darin jetzt ein ernst zu nehmender, wenn auch immer noch zu schmaler Ausbaupfad für Sonne und Wind verbindlich für die nächsten Jahre festgeschrieben. Lichtblicke sind für mich auch die Aussagen zur kommunalen Beteiligung am Windertrag oder der so genannte Südbonus, der den bundesweiten Ausbau der Windenergie steuern helfen soll.

> 2021 ist ein wichtiges Wahljahr. Welche Bedeutung spielt die Bundestagswahl für ein Unternehmen wie OSTWIND und für die EE-Branche?

STEFAN BACHMAIER: Ich hoffe schon, dass dort der Klimaschutz nach Corona wieder den gebührenden Stellenwert bekommt und dass die Parteien mit diesem Thema in den Wahlkampf gehen, weil die WählerInnen eben gerade auch mit dem Thema Nachhaltigkeit überzeugt werden können.

PHILIP MILEK: Was wir wirklich bräuchten, das sind PolitikerInnen, die aus den einzelnen Sektoren von Strom, Wärme und Mobilität ein Gesamtbild einer regenerativen Energiezukunft formen. Ein Wirtschaftsministerium, das nicht bremst, sondern offensiv für die Erneuerbaren eintritt – das wär's!

> Ein Thema befeuert die Energiediskussion in Deutschland momentan sehr stark, nämlich der grüne Wasserstoff. Ist der Hype um H2 aus Eurer Sicht gerechtfertigt?

STEFAN BACHMAIER: Die Speicherung ist ein zentrales Thema der erneuerbaren Energiewende – sei es kurzfristig mittels Batterie oder langfristig mittels Wasserstoff. Die entscheidende Frage ist jedoch, woher die Energie dafür kommt. Für grünen Wasserstoff braucht es zuallererst sehr viel mehr an erneuerbaren Energien aus heimischer Erzeugung. Ansonsten befürchte ich eine Produktion und Importe des grünen Wasserstoffs aus Drittländern – diese erneute Abhängigkeit wäre die falsche Strategie und fatal für den Wirtschaftsstandort Deutschland.

> Die Windenergie ist heute die wichtigste und größte Stromquelle in Deutschland – vor der Atomkraft, den fossilen Energieträgern und den anderen Erneuerbaren. Wird das auf längere Sicht so bleiben? Oder kommt es zu Verschiebungen zugunsten der PV? Zu mehr Stromimporten? Vielleicht sogar zu einer Renaissance der Atomenergie?

PHILIP MILEK: Die Gefahr besteht natürlich, dass von der Atomlobby versucht wird, die Kernkraft unter dem Deckmantel CO2-frei wieder ins Spiel zu bringen. Aber die Risiken für uns und unseren Planeten wären untragbar und die Kosten exorbitant! Dagegen sind und bleiben Wind und Sonne unschlagbar, was die Sicherheit – und zwar nicht nur der Energieversorgung – und die Wirtschaftlichkeit angeht. Dennoch bedarf es auch hier technischer Weiterentwicklungen und gesetzlicher Regelungen, die Innovationen ermöglichen. Und wir brauchen den bundesweiten Ausgleich, also Solarenergie nicht nur im Süden und Windkraft nicht nur im Norden.

STEFAN BACHMAIER: Windkraft bleibt für uns die tragende Säule der zukünftigen Energieversorgung, weil sie auf wenig Fläche – und die Flächen sind begrenzt – am meisten Strom erzeugt. Photovoltaik wird gerade stark ausgebaut, hat unter anderem auf den Dächern noch große Kapazitäten und ergänzt die Windenergie perfekt. Wird dieses Potenzial der Erneuerbaren weiterhin nicht konsequent genutzt, laufen wir Gefahr, mittelfristig von schmutzigen Stromimporten abhängig zu werden. Und das bringt für den Klimaschutz rein gar nichts – im Gegenteil.

Das Interview führte Christoph Markl-Meider.

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