Ostwind. An Energie gewinnen.

"Die Energiewende muss wieder konkret werden!"

Im Gespräch mit der OSTWIND-Unternehmensleitung (von links): Dietmar Hanser, Geschäftsführer der OSTWIND management GmbH, Stefan Bachmaier, Geschäftsführer der OSTWIND Erneuerbare Energien GmbH, und Philip Milek, Vorstandsmitglied der OSTWIND-Gruppe

Ein Moment ohne Maske! Das OSTWIND-Team vor dem Büro in Regensburg (Fotos: Hammerich)

21.12.2021

Unser Rückblick auf ein Jahr der Weichenstellungen

Seit wenigen Wochen liegt der neue Koalitionsvertrag der Ampelparteien vor. Wird er dem Anspruch einer "Klimaregierung" gerecht? Was hat Euch daran positiv überrascht, was seht Ihr eher skeptisch?

STEFAN BACHMAIER: In Sachen Erneuerbare Energien sind die Ansprüche der Ampelkoalition wirklich ambitioniert. Das strahlt Aufbruchstimmung aus! Aber wie so oft wird sich erst in der konkreten Umsetzung – und nicht zuletzt in der Bereitschaft der Länder da mitzugehen –  zeigen, was von den Zielen erreichbar und von den Maßnahmen machbar ist. Dafür braucht es einen detaillierten Zeitplan und ein genaues Evaluationskonzept. Daran hat es in der Vergangenheit gefehlt.

PHILIP MILEK: Vieles klingt gut und auch der Stil ist nicht mehr so altbacken. Aber die Frage bleibt, was wirklich drinsteckt im Koalitionspapier. Wie sehen die Maßnahmen in der Energiewende und im Klimaschutz ganz konkret aus? Da sind wir gerade im Windbereich geprägt von den vergangenen Jahren – mit immer noch höheren Ausbauzielen und immer weniger Genehmigungen. Und wir wissen, wie lange es dann doch dauert, bis politische Veränderungen die gewünschte Wirkung entfalten und sich endlich das erste Windrad dreht.

DIETMAR HANSER: Deshalb braucht es meiner Meinung nach jetzt pragmatische Lösungen für den Übergang, um möglichst bald schon erste positive Ergebnisse zeitigen zu können. Wenn wir warten, bis eine erneuerbare Energieversorgung in Deutschland politisch perfekt organisiert ist, dann reichen dafür auch zwei Legislaturperioden nicht aus.

Ist die Gesellschaft, sind die Bürgerinnen und Bürger überhaupt bereit für einen neuen Energie- und Klimakurs?

STEFAN BACHMAIER: Wir haben schon den Eindruck gewonnen, dass die Gesellschaft nicht nur bereit ist für einen neuen Kurs, sondern dass sie einen nachhaltigeren Weg auch richtiggehend einfordert. Das war zum Beispiel beim Bürgerentscheid über unseren vor den Toren Regensburgs geplanten Windpark Sinzing der Fall. Dort haben sich die AnwohnerInnen mehrheitlich klar für die Windkraft in ihrer Gemeinde ausgesprochen.

DIETMAR HANSER: Da zeigt sich doch, dass die Bürgerinnen und Bürger an vielen Stellen weiter als die Politik sind – wenigstens weiter, als die Politik es bisher war. Das macht Mut und eröffnet uns neue Perspektiven – zumindest langfristig.

PHILIP MILEK: 2021 war sicher so ein Jahr der Weichenstellung – mit dem bahnbrechenden Klimaurteil des Bundesverfassungsgerichts, mit einer neuen Regierung, die den Klimaschutz ernst nimmt, mit Kommunen, die vor Ort die Energiewende neu beleben wollen, einer EU, die sich "Fit for 55" macht, und einer weltweiten Klimabewegung, die nicht länger warten will. Wir spüren also allenthalben einen Aufwind – und hoffen, dass er trägt.

Arbeitsplätze mit Perspektive


Aber gibt es für den von der neuen Regierung angekündigten Klimakurs mit einem immens verstärkten Ausbau der Erneuerbaren überhaupt genügend Fachkräfte?

STEFAN BACHMAIER: Es war sicher ein schweres Versäumnis der Politik der letzten Jahre, gerade bei der Windenergie keinen klaren Willen bekundet und nicht für klare Rahmenbedingungen gesorgt zu haben. Damit einher gingen rückläufige Investitionen einer stark verunsicherten Branche und der Verlust von Arbeitsplätzen: Allein in der Windbranche mit 40.000 Jobs weniger seit 2017!

PHILIP MILEK: Unter diesem personellen Abgang leidet unsere Branche sehr – und es wird dauern, diesen wieder wett zu machen. Schon jetzt erfordert es großen Aufwand und viel Geduld, freiwerdende Stellen überhaupt ersetzen zu können. Und mit dem – endlich! – zu erwartenden und dringend notwendigen Ausbau der Solar- und Windenergie dürfte sich der Bedarf nach qualifizierten Fachkräften bald drastisch, um nicht zusagen dramatisch erhöhen.

Wie könnte dieser Trend gestoppt oder besser noch umgekehrt werden?

DIETMAR HANSER: Die Betriebsführung, für die ich hier spreche, ist vielleicht ein sehr gutes Beispiel für Kontinuität und sichere Arbeitsplätze, die wir bieten können, weil wir nicht so stark von den Entscheidungen einer wankelmütigen Politik abhängen wie etwa die Projektentwicklung.

STEFAN BACHMAIER: Deshalb unser klarer Appell – ebenso an die politisch Verantwortlichen wie auch an junge Menschen oder an QuereinsteigerInnen, die neue Perspektiven suchen: Wind- und Solarenergie sind nicht nur die Basis einer CO2-freien Energieversorgung, sondern auch ein gigantisches Angebot an sinnvoller und zukunftsgerichteter Arbeit.

Und was können die Unternehmen selbst dazu beitragen, um unsere Branche attraktiver für Jobsuchende zu machen?

PHILIP MILEK: Wir sehen, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf in der Arbeitswelt immer mehr an Bedeutung gewinnt. Deshalb haben wir hier in den vergangenen Monaten – und insbesondere unter den schwierigen Bedingungen der Corona-Pandemie – intensive Anstrengungen unternommen.

STEFAN BACHMAIER: Ein Highlight in diesem Zusammenhang war sicher das positive Feedback von unabhängiger Seite. Unter mehr als 300 Unternehmen, die sich in dem Contest "Erfolgreich.Familienfreundlich" des bayerischen Wirtschafts- und des Familienministeriums beworben haben, landete OSTWIND "aufgrund einer hervorragenden familienfreundlichen Personalpolitik" unter den 30 besten. Für uns ist das ein großer Ansporn, diesen Kurs konsequent weiterzugehen.

Erfolg beruht auf Vertrauen


Welche weiteren Highlights oder Herausforderungen – abgesehen von den großen Themen und Tendenzen – hatte das zurückliegende Jahr konkret für OSTWIND zu bieten?

PHILIP MILEK: Ich möchte den Blick hier einmal auf die Photovoltaik richten. Zu Weihnachten vor zwei Jahren haben wir an gleicher Stelle den Einstieg in dieses für OSTWIND neue Geschäftsfeld vermeldet. Heute können wir von fünf erfolgreich initiierten und ins Verfahren gebrachten größeren Freiflächenanlagen berichten – darunter auch ein genehmigtes 10-MW-Solarprojekt in Bayern.

STEFAN BACHMAIER: Mir war wichtig, dass wir im Windbereich in diesem Sommer endlich wieder mit dem Bau eines neuen Projektes begonnen haben. Das fühlt sich gerade für mich als ausgebildeten Bauingenieur richtig gut an, wenn aus der Vision Wirklichkeit wird. Und gleich zu Beginn des neuen Jahres wollen wir da möglichst bald mit einem weiteren Windpark nachziehen.

DIETMAR HANSER: Wichtig für unsere Betriebsführung war vor allem, dass wir die immer anspruchsvolleren und komplexeren Neuerungen aus dem EEG 2021 im Sinne unserer Kundinnen und Kunden umsetzen konnten. Da ging es um Themen wie die Bedarfsgerechte Nachtkennzeichnung, die Stromsteuer oder die Regelungen zum Messen und Schätzen von Stromverbräuchen. Aber auch im Artenschutz konnten wir mit innovativen Ansätzen punkten. Und wir sind weiter gewachsen – um immerhin 25 Bestandsanlagen und 60 MW Windleistung, die wir 2021 neu in unser Portfolio aufgenommen haben.

PHILIP MILEK: Highlight war für mich übrigens auch, dass mit unseren wieder konkret werdenden Wind- und Solarprojekten auch unsere Kontakte zu den Kommunen, zu den BürgermeisterInnen und den Menschen vor Ort wieder direkter und unmittelbarer wurden. Je mehr unserer Vorhaben in die Realisierung gehen, desto näher kommen wir uns. Einmal mehr zeigt sich, dass wir ein Unternehmen sind, dessen Erfolg auf Vertrauen basiert.

Zum Ende des Jahres konnte OSTWIND noch mit einer außergewöhnlichen nordbayerischen Kooperation aufwarten. Was steckt dahinter?

STEFAN BACHMAIER: Die ZENOB ist ein sehr innovativer Zusammenschluss nordbayerischer Landkreise, Kommunen und kommunaler Unternehmen mit dem Ziel, die regionalen Potenziale zur C02-Vermeidung optimal auszuschöpfen. Dafür will die ZENOB unter anderem den Bestand der von ihr betriebenen Erneuerbare-Energien-Anlagen konsequent erweitern. Im Windbereich setzt sie dabei ganz auf das Know-how von OSTWIND. Für uns ist es die richtige Partnerschaft zur richtigen Zeit: Wir kennen uns und haben das gleiche Verständnis davon, dass Windenergie aus der Region zugleich Wertschöpfung für die Region sein muss.

Teams in Frankreich und Deutschland gut aufgestellt


Philip Milek, Du bist 2021 aus der operativen Unternehmensleitung in den Vorstand der OSTWIND-Gruppe gewechselt. Wie war der Rollentausch?

PHILIP MILEK: Ich freue mich, jetzt gleichsam aus der Vogelperspektive zu beobachten, welche Entwicklung OSTWIND in Deutschland und Frankreich macht, und bin überzeugt, dass die Aussichten für die gesamte Gruppe positiv sind. In Frankreich werden weiterhin fleißig Projekte geplant und gebaut, und OSTWIND in Deutschland dürfte in absehbarer Zeit beim Bau neuer Solar- und Windprojekte nachziehen. Die Voraussetzungen sind also gut – nicht zuletzt auch, weil unsere Teams In beiden Ländern bestens aufgestellt sind.

Und wohin soll die Entwicklung in Deutschland im nächsten Jahr gehen?

STEFAN BACHMAIER: Schön wäre es, wenn Corona im nächsten Jahr nicht mehr der alles bestimmende Faktor in unserer Gesellschaft ist. Möglichst bald sollte der Fokus wieder darauf gerichtet sein, wie wir gemeinsam die Transformation hin zu einer CO2-neutralen Wirtschaft schaffen. Wir wollen dazu unseren Beitrag leisten und sehen den Schlüssel dafür im Ausbau der Erneuerbaren. Deshalb werden wir unseren Kurs beibehalten und alle Potenziale nutzen, die Wind und Sonne bieten.

DIETMAR HANSER: Dies sind natürlich auch unsere Potenziale und deshalb wollen wir uns weiterhin mit der OSTWIND management als Garant für eine zuverlässige Betriebsführung am Markt etablieren. Unser Ziel ist es, die Nutzung von Sonne und Wind wo immer möglich zu optimieren und auch Windparks über 20 Jahre hinaus wirtschaftlich zu betreiben und jede CO2-freie Kilowattstunde mitzunehmen. Auch das gehört zu einer erneuerbaren Energiewende, die am Ende erfolgreich sein will.

Das Interview führte Christoph Markl-Meider.

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